Öffnungszeiten
Ansprechpartner
Aktuelle News
Karriere & Ausbildung
Inhalt
02.07.2026

Jugendarbeit braucht demokratische Räume

KoJa-Fachkräfte nach der bayernweiten Fachtagung hoch motiviert

Erdweg/Amberg-Sulzbach. Die Botschaft war klar: „Jugendarbeit steht dafür, allen jungen Menschen in allen Kommunen demokratische Räume zu geben. Sie bleibt dabei in der neuen Wahlperiode ein großes Zukunftsthema und eine Pflichtaufgabe der Kommunen in Bayern.“ Das betonte BJR-Präsident Philipp Seitz auf der Landestagung Kommunale Jugendarbeit in Bayern am 17. und 18. Juni 2026 in Erdweg bei Dachau.

Während des jugendpolitischen Austauschs der Tagung rief er die teilnehmenden Fachkräfte auf, die seit Anfang Mai neuen Gremien und Verantwortlichen der Kommunalpolitik fachlich zu beraten. Es gelte immer wieder zu vermitteln, dass Jugendarbeit eine kommunale Pflichtaufgabe bleibt: „Gerade in der kommunalen Finanzkrise dürfen die Kommunen nicht bei der Jugendarbeit kürzen. Denn sie ist eine Investition in die Zukunft, die junge Menschen zum Ehrenamt bringt und ihre Perspektiven für ein Bleiben auch in kleinen Gemeinden stärkt.“

Dabei gelte es, besonders in kleineren Kommunen – angepasst an die jeweiligen Gegebenheiten – im guten Miteinander von Fachkräften und Ehrenamt eine sichere Grundstruktur für eine lebendige Jugendarbeit zu schaffen. Denn, so Seitz: „Unser Ziel ist es, dass die Jugendarbeit gerade in allen kleineren Kommunen mit soliden ausgebildeten Fachkräften besetzt werden kann. Gemeinsam mit Ehrenamtlichen aus Jugendverbänden und Jugendringen werden sie die brennenden Bedarfe der Jugendarbeit auf die kommunalpolitische Tagesordnung bringen: Mehr Jugendbeteiligung, Demokratiebildung und Medienbildung gehören da ganz nach vorne. Das hat uns auch die aktuelle Befragung des BJR in der Kommunalen Jugendarbeit nach den wichtigsten Themen gezeigt.“

"Nadine Wagner und Anita Kinscher von der Kommunalen Jugendarbeit Amberg-Sulzbach(KoJa) nahmen ebenfalls an der bayernweiten Fachtagung Kommunale Jugendarbeit teil. Beide sind top motiviert, Kommunen und Jugendbeauftragte im Landkreis zu beraten, zu begleiten und Modellprojekte zu installieren. „Interessierte dürfen sich gerne an uns wenden. Gemeinsam können wir Projekte für die Gemeinden auf die Beine stellen und jugendgerechte demokratische Räume entwickeln und anbieten“, betonen Wagner und Kinscher.

Kommunale Jugendarbeit gezielt stärken

Die Tagung informierte über die Lebenslagen junger Menschen und ihre aktuellen Bedarfe für Jugendarbeit in Bayern. Außerdem konnten sich die Teilnehmenden über die aktuellen praktischen Herausforderungen der Kommunalen Jugendarbeit austauschen. Dr. Mike Seckinger vom Deutschen Jugendinstitut setzte im einführenden Vortrag die Akzente für die entscheidenden Bedarfe junger Menschen und betonte die Anforderungen an Jugendarbeit aus wissenschaftlicher Sicht.

Dr. Seckinger schilderte die grundsätzliche Aufgabe der Fachkräfte, eine Scharnierfunktion zwischen Jugend und Gesellschaft zu haben. Der Auftrag der Jugendarbeit sei, die gesetzliche und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen, demokratische und offene Räume für junge Menschen zu schaffen. Das Ringen um diese öffentlichen Räume werde immer stärker und ohne politische Macht gerate die Jugend schnell in den Hintergrund. Seckinger: „Wenn Themen wie Demokratiebildung, Medienbildung sowie Jugendbeteiligung in der BJR-Befragung der Fachkräfte als zentrale Themen genannt werden, dann entspricht das dem Bedarf bei jungen Menschen, für die dann die passende Infrastruktur der Kommunen oft noch immer fehlt.“

Sehr erfrischend war dazu ein Impuls von jungen Menschen selbst – Amélie Klemmer und Jason Spaak vom Jugendbeirat Augsburg sprachen sich als Vertretung junger Menschen dafür aus, die Gelegenheiten für politische Mitsprache für die Jugend in Bayern noch mehr zu verstärken und auch in der Politik umzusetzen: „Profis wie in der Kommunalen Jugendarbeit wissen schon, dass sie mit jungen Menschen anders reden müssen. Aber es ist auch für die Politik immer besser, uns einzubeziehen, um besser planen zu können!“

Vorbildliche Projekte und Beispiele guter Jugendarbeit vor Ort

In fünf Themengruppen wurden die wichtigsten Themen der Tagung vertieft – besonderes Interesse fanden die Schilderungen von zwei Gästen aus Sachsen: Doritta Kolb-Unglaub und Steffen Unglaub von colorido e.V. aus Plauen berichteten sehr eindrucksvoll, wie sie versuchten, mit persönlichen Gesprächsangeboten jungen Menschen zunächst einmal zuzuhören. Was denken sie über Demokratie und die Gefahren des Rechtsextremismus? Was sind die Erwartungen an Jugendarbeit und Politik? Anschließend reagierten sie mit passenden Angeboten. „Aber leider fehlt hier oft die politische Unterstützung für passende Maßnahmen, wenn wir etwa an die Kürzungen im Programm Demokratie leben denken“, bilanzierte Doritta Kolb-Unglaub.

Passend dazu wurden vorbildliche Projekte der Jugendarbeit in Bayern vorgestellt und anregend diskutiert: Als Beispiel für Medienbildungsarbeit im KI-Zeitalter stellte Sonja Breitwieser (Parabol e.V., Nürnberg) die Methode „Fake or Real“ zur Sensibilisierung in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit vor, die bayernweit nachgefragt wird.

Das bereits vielfach mit Preisen belohnte Jugendhaus „Space“ in Freilassing stellte Onur Bakis von Doyobe e.V. vor: „Wir haben hier einen besonderen Ort der Jugendkultur und Integration geschaffen, für und gemeinsam mit jungen Menschen zwischen zwei Heimaten.“ Ebenfalls aus dem Landkreis Berchtesgadener Land ist das neue Projekt „feel free“ vom Jugendbeirat und Kommunaler Jugendarbeit zur psychischen Gesundheit und Belastung für junge Menschen. Die Erstberatung bei Belastungen durch Schule, Medien und Arbeitswelt stellte Dipl. Reha.-Psych. Kathleen Heft, Pro Mente Salzburg, gemeinsam mit Daniele Barella vom Jugendbeirat Berchtesgadener Land vor. Oft wird bei Fachkräften der Jugendarbeit die Frage gestellt: „Wie können wir im öffentlichen Raum Platz für alle jungen Menschen schaffen und Konflikte moderieren?“ Dazu berichtete Christian Krapp von AKIM (Allparteiliches Konfliktmanagement) aus München von der professionell aufgestellten Moderation für Orte der Jugendkultur und Konflikte im öffentlichen Raum.

Jugendpolitischer Austausch mit Philipp Seitz, Sozialministerium und Landkreistag

Zum Abschluss der Tagung richtete sich der Blick noch auf die jugendpolitische Debatte in den neuen kommunalen Gremien und auf die Landesebene. Im Gespräch mit BJR-Präsident Philipp Seitz, Peter Nitschke (Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales) und Sabine Ahlers-Reimann (Bayerischer Landkreistag), konnten viele Fragen der Fachkräfte geklärt werden. Insbesondere die stark wachsenden Anforderungen etwa zur Beratung bei Schutzkonzepten und bei Ferienangeboten, für die keine zusätzlichen Ressourcen zur Verfügung stehen, spielten hier eine große Rolle.

Alexander Angermann, Vorsitzender der ABJ Bayern (Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Jugendpfleger:innen) fasste die Debatte so zusammen: „Besonders wichtig ist es den Teilnehmenden aus ganz Bayern, dass die Jugendarbeit gerade in Zeiten vielfältiger Krisen und rechtsextremer Anfeindungen weiter von Politik und Verwaltung als verlässlicher demokratischer Partner wahrgenommen wird. Dazu gehört, dass sie mit genug Ressourcen ausgestattet wird. So haben junge Menschen die Chance, sich auch abseits von Schule in ihrer Persönlichkeit zu entwickeln, sich an politischen Prozessen selbst zu beteiligen und so mündige, demokratische Mitglieder unserer Gesellschaft zu werden.“

Gespannt blickt Alexander Angermann wie die gesamte Kommunale Jugendarbeit jetzt auf den 14. Juli 2026, wenn die Ergebnisse der alle fünf Jahre stattfindenden großen Infrastrukturerhebung des BJR vorliegen: „Die neuen Zahlen über Einrichtungen und Fachkräfte aller Kommunen in Bayern für das Jahr 2025 werden für uns alle eine gute Datenbasis für die Lobbyarbeit vor Ort im Interesse der jungen Menschen.“

Hintergrund: BJR für Netzwerk der Kommunalen Jugendarbeit zuständig

Die jährliche Landestagung ist die zentrale Veranstaltung der Kommunalen Jugendarbeit (KOJA) in Bayern. Mehr als 90 Jugendpfleger:innen sowie Fachkräfte sind der Einladung des BJR gefolgt, um die aktuellen Perspektiven der KOJA zu diskutieren und sich über drängende Fragen der kommunalen Jugendpflege auszutauschen.

Der BJR übernimmt für die 96 Dienststellen der KOJA in Bayern die Aufgaben des überörtlichen Trägers der öffentlichen Jugendhilfe im Bereich der Jugendarbeit – darunter die Aus- und Fortbildung der Fachkräfte etwa in Form einer Zusatzausbildung im Institut für Jugendarbeit. Der BJR arbeitet hier sehr gut mit der 1967 gegründeten Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Jugendpfleger und Jugendpflegerinnen (ABJ) zusammen, die sich als Berufsvertretung der KOJA in Bayern auch als Lobby der kommunalen Fachkräfte der Jugendarbeit sieht.

Weitere Informationen zur KOJA in Bayern: https://www.bjr.de/strukturen/kommunale-jugendarbeit 

Quelle: Maximilian Härtwig

Zum Seitenanfang