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Blauzungenkrankeit - Impfung im Landkreis

Aktuelle Information

  • Aufhebung der Pflichtimpfung gegen die Blauzungenkrankheit ab 01.01.2010 [pdf-Datei]

Allgemeines zur Blauzungenkrankheit

Die Blauzungenkrankheit (engl. Bluetongue) ist eine nicht ansteckende, von Insekten übertragene Infektionskrankheit, an der vor allem Schafe erkranken. Die Krankheit wird durch ein Orbivirus hervorgerufen, welches in 24 verschiedenen Serotypen vorkommt. In Deutschland wurde seit August 2006 nur der Serotyp 8 nachgewiesen.

Welche Tiere sind betroffen?

Säugetier-Wirte des Blauzungen-Virus sind unter anderem Schafe, Rinder und Ziegen. Klinische Symptome zeigen aber vor allem die Schafe. Auch bei amerikanischen Wildwiederkäuern wurden Fälle von Blauzungenkrankheit beschrieben. Über die Anfälligkeit europäischer Wildwiederkäuer (Reh, Rothirsch u.a.) ist aber bisher kaum etwas bekannt.

Ist die Krankheit für den Menschen gefährlich?

Der Erreger der Blauzungenkrankheit ist für Menschen nicht gefährlich. Fleisch und Milchprodukte können ohne Bedenken konsumiert werden.

Wie wird die Blauzungenkrankheit übertragen?

Blutsaugende Insekten nehmen das Virus bei einer Blutmahlzeit auf. Nach einer Entwicklung im Insekt kann das Virus nach etwa einer Woche bei einer weiteren Blutmahlzeit auf einen anderen Säugetierwirt übertragen werden. Die natürlichen Überträger des Blauzungen-Virus sind kleine, 1–3 mm lange Mücken der Gattung Culicoides. Die Culicoides-Mücken sind hauptsächlich zwischen Abend- und Morgendämmerung aktiv und fallen vor allem Tiere im offenen Gelände an.

Die meisten Culicoides-Arten benötigen für ihre Fortpflanzung Wasser. Culicoides-Weibchen legen ihre Eier bevorzugt in nassen, mit organischen Stoffen angereicherten Boden oder Schlamm, wo sich auch die Larven entwickeln. Die Zahl, in der die Culicoides-Mücken auftreten, hängt stark von der jahreszeitlichen Durchschnittstemperatur ab. Die Mücken brauchen für ihre Entwicklung längere Wärmeperioden. Culicoides-Mücken leben 10–20 Tage. Temperaturen unter 12°C reduzieren ihre Aktivität beträchtlich. Sie können jedoch sehr leicht durch den Wind verfrachtet werden. 

In den Säugetier-Wirten kann sich das Blauzungen-Virus vermehren und ist oft über Monate im Blut nachweisbar. Infizierte Rinder erkranken in der Regel klinisch unauffällig – tun sie es trotzdem, dann ähneln die Symptome denen einer Rindergrippe. Im Vordergrund stehen dabei eine Entzündung der Lidbindehaut, Erosionen (Schleimhautschäden) in der Maulhöhle und am Flotzmaul, Rötungen der Nasenöffnungen, an den Zitzen, am Euterspiegel sowie am Kronsaum der Klauen. Darüber hinaus treten Lungensymptome und erhöhte Temperatur auf. Da die Maul- und Klauenseuche ähnliche Symptome aufweist, muss der Klinik der Blauzungenkrankheit besondere Augenmerk geschenkt werden. Die Bedeutung der Rinder liegt in ihrer Funktion als wichtigstes Reservoir für das Blauzungen-Virus. Da sie meist nicht krank werden, bleibt eine Infektion oft unbemerkt.

Wie erkennt man die Krankheit?

In der Regel werden nur Schafe und (amerikanische) Wildwiederkäuer krank. Bei Rindern und Ziegen verläuft die Infektion häufig ohne typische Krankheitszeichen.
7–8 Tage nach der Infektion zeigen sich bei Schafen die ersten Anzeichen einer akuten Erkrankung: erhöhte Körpertemperatur, Apathie, und Absonderung von der Herde. Kurz nach dem Anstieg der Körpertemperatur erscheinen die Mundschleimhäute gerötet und schwellen an.

Schafe zeigen insbesondere Ödeme im Kopfbereich, speicheln deshalb sehr stark und haben Schaum vor dem Maul. Die Zunge schwillt an und wird blau (Blauzungenkrankheit) und kann sogar manchmal aus dem Maul hängen. Des Weiteren können Erosionen an den Nasenöffnungen mit eitrig-serösem Nasenausfluss vorkommen. Schmerzhafte Rötungen des Klauenkronsaums führen zu Lahmheiten bei den Tieren. Tragende Schafe abortieren nicht selten. Erkrankte Schafe können 8–10 Tage nach der Infektion sterben. Diejenigen, die überleben, erholen sich erst nach geraumer Zeit.

Bei Rindern können ebenfalls Hautrötungen und Erosionen an Euterspiegel, den Zitzen und am Flotzmaul auftreten, die mit Lungensymptomen und einer Lidbindehautentzündung vergesellschaftete sind.

Die bekannten klinischen Symptome der Blauzungenkrankheit passen auch zu vielen anderen, hochansteckenden Krankheiten wie zum Beispiel der Maul- und Klauenseuche. Deshalb ist es bei einem Verdacht sehr wichtig, dass Sie Ihren Tierarzt oder Ihre Tierärztin konsultieren.

Ähnliche Krankheitsbilder (Differenzialdiagnose): Maul- und Klauenseuche, Schafpocken, Bovine Virus-Diarrhöe, Virusdurchfall der Rinder (BVD), Bösartiges Katarrhalfieber, durch Pflanzenstoffe verursachte Photosensibilität und Vesikuläre Stomatitis.

Tierseuchenrechtliche Reglementierungen

Die Blauzungenkrankheit ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Die Rechtsgrundlage für ihre Bekämpfung ist – neben den Vorschriften des internationalen Tierseuchenamtes (OIE) – die Richtlinie 2000/75/EG des Rates vom 20. November 2000, welche national in der Verordnung zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit vom 22. März 2002 umgesetzt wurde. Darüber hinaus wird im Seuchenfall der nationale und internationale Tierhandel durch die Verordnung zum Schutz vor der Verschleppung der Blauzungenkrankheit vom 31.8.2006 geändert durch die VO(EG)1266/2007 geregelt

Derzeitige Lage bezüglich der Blauzungenkrankheit

Im Jahr 2006 waren neben Holland, Belgien und Frankreich nur regionale Seuchengeschehen in den Bundesländern Hessen, Rheinlandpfalz und Nordrhein-Westfalen bekannt. Aufgrund des milden Winters 2006/2007 hat sich der Seuchenzug der Blauzungenkrankheit jedoch aus den nördlichen ?undesländern weiter nach Süddeutschland ausgebreitet. Aufgrund des nicht mehr beherrschbaren Seuchengeschehens in Deutschland wurde das gesamte Bundesgebiet zur 150 km-Zone erklärt.

Ein Verbringen von empfänglichen Tieren innerhalb der 150 km-Zone ist ab sofort unter folgender Bedingung möglich:

  • Die Tiere zeigen keine klinischen Symptome, die auf Blauzungenkrankheit hinweisen.
  • Die bisher vorgeschriebene Behandlung mit einem Repellent sowie eine anschließende Blutprobenuntersuchung entfallen.
  • Die Neuregelung führt somit zu einer erheblichen Erleichterung des innerdeutschen Viehverkehrs.
  • Für Verbringungen in freie Gebiete und in das europäische Ausland ist jedoch nach wie vor die Behandlung mit anschließender virologischer Blutuntersuchung Pflicht.

Wie kann man den Tierbestand schützen?

Im Vordergrund steht die Bekämpfung des belebten Vektors. Hierfür sind im Handel verschiedene Repellentpräparate, ( bespielsweise Bayofly® oder Butox®) zum aufgetragen auf die Haut bzw. anklippen an die Ohrmarken bei Weidehaltung, verfügbar. Da der Vektorflug unter 5°C stoppt, ist eine Behandlung  generell ab März bis November empfehlenswert. Als weitere Maßnahmen sind die Insektizidbehandlung der Gülleschwimmschicht sowie die Entleerung des Güllekellers angezeigt. Darüber hinaus empfiehlt es sich im Umkreis von 500m um den Stall Feuchtigkeitsnester (Pfützen, Morast, organische Abfälle und Güllereste zu beseitigen.

Tierseuchenrechtliche Reglementierungen

Impfplanung

Im Bereich des Landkreises Amberg-Sulzbach und der Stadt Amberg werden ab Juni 2008 zunächst alle Schaf-/ Ziegen- und anschließend Rinderbestände gegen die Blauzungenkrankheit geimpft. Bei dem Impfstoff handelt es sich um einen BTV Subtyp-8 spezifischen Totimpfstoff, der Firma CZ Veterinaria.

In Bayern erfolgt eine flächendeckende einmalige Impfung aller Schaf- und Ziegenbestände. Parallel hierzu werden risikoorientiert auch alle nordbayerischen Rinderbestände inklusive eines Sicherheitsgürtels, in dem sich neben den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt/Waldnaab und Neumarkt auch der Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg befinden, in Abgrenzung zu bisher noch nicht von der Blauzungenkrankheit betroffenen Regionen mit einer zweimaligen Impfung im Abstand von 3-4 Wochen grundimmunisiert.

In den Landkreisen Cham, Schwandorf und Regensburg sowie den südlich davon gelegenen Gebieten werden vorerst nur die Mutterkuhbetriebe geimpft. Um Ausbruchsbetriebe und Besamungsstationen außerhalb der Regierungsbezirke Unter-, Ober- und Mittelfranken erfolgt eine Ringimpfung mit Radius 5 km.
Geimpft werden alle weiblichen Rinder ab 3 Monate und alle männlichen Mastrinder ab 6 Monate. Das Impfalter liegt bei Schafe und Ziegen werden ebenfalls bei 3 Monaten.

Für den Landkreis Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg ist die Impfstofflieferung an das Veterinäramt für Schafe ab 1. Juni und für Rinder ab 28. Juni vorgesehen. Die Impfstoffabgabe erfolgt dann umgehend durch das Veterinäramt an die Hoftierärzte. Die Impfstoffkosten trägt der Freistaat Bayern, die Impfgebühren sind bei Schafen und Ziegen vom Tierhalter zu tragen.

Da davon auszugehen ist, dass dem Veterinäramt Amberg trotz Meldepflicht nach seuchenrechtlichen Vorschriften nicht alle Schaf- und Ziegenhaltungen (im allgemeinen sog. Hobbyhaltungen) im Landkreis bzw. der Stadt Amberg bekannt sind, werden die Tierhalter aufgefordert sich zu gegebener Zeit mit Ihrem Hoftierarzt oder dem Veterinäramt in Verbindung zu setzen, damit die Impfung zügig und flächendeckend gewährleistet werden kann.

Impfdurchführung

Mit der Ausgabe des Blauzungenimpfstoffes in der letzten Juniwoche an die praktischen Tierärzte im Landkreis bzw. in der Stadt Amberg, konnte mit großem Engagement aller Beteiligten die fast flächendeckende Immunisierung aller gemeldeten Schaf-, Ziegen- und Rinderbestände bis zum 15.09.08 erreicht werden.

Der subtypspezifische Totimpfstoff Bluevac-8 der Firma CZ Veterinaria hat sich dabei entgegen den Vorbehalten verschiedener Interessensgruppen als sehr sicher in der Anwendung und als gut verträglich erwiesen. Impfschäden die auf den Impfstoff selbst zurückzuführen sind, wurden nicht bekannt.

Aufgrund von Impfstoffnachlieferungen kann nun auch in den Landkreisen Cham, Schwandorf und Regensburg die flächendeckende Impfung aller Rinderbestände bis Ende des Jahres vorgenommen werden.

Für das Jahr 2009 ist eine Wiederholungsimpfung in den grundimmunisierten Betrieben vorgesehen. Aufgrund der aktuellen Witterungslage und dem massiven Impfeinsatz gegen das Blauzungenvirus in Deutschland und angrenzenden EU-Nachbarstaaten ist die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen deutlich gesunken. Weitere Informationen erteilt das Veterinäramt unter 09621/39663.

Weitere Informationen können beim Veterinäramt erfragt werden.

Weitere Informationen

Kontakt
Landratsamt Amberg-Sulzbach
Veterinäramt
Hockermühlstraße 53
92224 Amberg

Tel.: 09621/39-663
Fax: 09621/37605-370
eMail: veterinaeramt@amberg-sulzbach.de
Url: www.amberg-sulzbach.de/veterinaeramt/
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Landratsamt Amberg-Sulzbach
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