Kelten, Römer und Ritter belagern Theuern
Historische Zeitreise Ende Juli im Kultur-Schloss
Kümmersbruck/Theuern. Klirrende Schwerterklingen, feilschende Handwerksleute und mittelalterliche Musik werden zu hören sein, wenn vom 26. bis 27. Juli das Kulturhighlight dieses Sommers im Kultur-Schloss Theuern über die Bühne geht und eine historische Zeitreise von den Römern bis zum Dreißigjährigen Krieg dargeboten wird. Auf das zweitätige Geschichtsspektakel im ehrwürdigen Hammerherrenschloss haben sich der Schlossherr, Museumsleiter Dr. Martin Schreiner und sein Team monatelang vorbereitet. Noch wird an einzelnen Programmpunkten gefeilscht, aber an die 200 Geschichtsdarsteller haben ihre Teilnahme sicher zugesagt.
Herr Dr. Schreiner, wen außer Kelten und Römer erwarten Sie noch in Theuern?
Im Rahmen unserer großen Historischen Zeitreise werden an die 200 Geschichtsdarsteller im und vor dem Kultur-Schloss Theuern für zwei Tage ihr Lager aufschlagen. Das zeitliche Spektrum der einzelnen Gruppen reicht von ca. 400 vor Christus bis in die Zeit des 18. Jahrhunderts, also jene Epoche, in der auch das barocke Hammerherrenschloss Theuern gebaut worden war. Neben Kelten und Römern wird man Vertretern unterschiedlichster Gesellschaftsschichten aus dem Früh-, Hoch- und Spätmittelalter sowie der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und der Barockzeit begegnen können. Im Detail kann man so nicht nur römische Legionäre, mittelalterliche Ritter, historische Handwerker und Landsknechte hautnah erleben, sondern auch zum Beispiel die Welt der Römischen Frauen zur Zeit des Regensburger Legionslagers oder die Ausstattung von mittelalterlichen Edeldamen und die Lebensrealität frühneuzeitlicher Marketenderinnen kennenlernen.
Besucher werden sie in voller Montur, mit Gestade und Ausrüstung bewundern können?
Ja, das ist richtig. Die Darsteller tragen jeweils ihrer repräsentierten Epoche gemäß authentische Kleidung und Ausrüstung. In vielen Fällen fertigen sie große Teile hiervon nach historischen Vorlagen in mühevoller Eigenarbeit an. Mit der Römergruppe des Vereins der Freunde der Alten Geschichte e. V. haben wir heuer auch wieder eine Gruppe an Bord, die als universitärer Verein direkt mit der Geschichtswissenschaft der Universität Regensburg in enger Verbindung steht und sich somit auch hinsichtlich ihrer Darstellung am Puls der aktuellen Forschung bewegt. Aber auch die anderen Gruppen pflegen enge Kontakte mit historischen und archäologischen Institutionen, um neueste Erkenntnisse zu ihrer Epoche in ihr Reenactment-Engagement einfließen zu lassen. Ich spreche in diesem Kontext bewusst nicht leichtfertig von Hobby, da sich hinter dem, was schließlich auf den hochkarätigen Veranstaltungen im Bereich der lebendigen Geschichte bewundert werden kann, unglaublich viel Arbeit, Interesse, Zeit und nicht zuletzt Begeisterungsfähigkeit verbirgt, so dass anspruchsvolles Reenactment, also die authentische Inszenierung geschichtlicher Ereignisse für viele sicherlich mehr als ein gewöhnliches „Hobby“ ist. Um dies zu verdeutlichen sei hier nur als Beispiel die Gruppe unseres Kooperationspartners und Mitorganisators Alexander Schmied, die Hrafninn-Sippe, genannt. Mitglieder dieser Gruppe stellen sogar die Stoffe für ihre Kleidungsstücke nach historischen Vorlagen selbst her und färben sie mit natürlichen Farbstoffen. Wer sich also für Mode, Handwerk und Ausrüstung in unterschiedlichen historischen Epochen interessiert, kommt hier voll auf seine Kosten.
Ein besonderes Highlight sind sicherlich auch die schweren Rüstungen und Waffen der Legionäre und sonstigen Kriegerdarstellungen. Wenn man das Gewicht einer vollständigen Legionärskampfausstattung oder mittelalterlichen Ritterrüstung betrachtet, das sich bei beiden genannten Beispielen im Bereich von über 20 Kilogramm bewegt, wird schnell klar, dass die so gerüsteten Kämpfer über eine gute körperliche Konstitution verfügen mussten. Aber nicht nur Kleidung und Ausrüstung kann bestaunt werden, denn auch das historische Lagerleben hat viel zu bieten. So bildet beispielsweise die Stadtwache Amberg 1995 e. V. mit Ihren Wagen wieder eine sogenannte Wagenburg und führt ihre historischen Geschütze vor, und die Ritter von der Zarg e. V. bereichern die Veranstaltung mit ihren beeindruckenden Vorführungen zum Hochmittelalter.
Geschichtsunterricht mal anders! Während sich die Schüler und Lehrkräfte bald in die Sommerferien verabschieden, wird das Kultur-Schloss zu einem Ort lebendiger Historie, an dem vergangene Kulturen und Sitten greifbar werden. Wie wichtig erachten Sie es, ein historisches Bewusstsein zu bewahren?
Wenn man bedenkt, dass Geschichte einst Gegenwart war und alles Gegenwärtige einst zur Historie wird, wird klar, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in vielerlei Hinsicht bedeutend ist. Und ich meine damit nicht das Pauken von Zahlen und Fakten, sondern das Bewusstsein darüber, dass man selbst Teil des geschichtlichen Prozesses ist. Einfach gesagt, müssen wir wissen, woher wir kommen, um zu verstehen, wer wir sind und um zu steuern, wohin wir gehen. Bezogen auf jede Einzelne und jeden Einzelnen können so durch die Verortung innerhalb des geschichtlichen Prozesses auch konkrete Anknüpfungspunkte für die eigene Identitätsentwicklung geschaffen werden.
Gerade mit Blick auf die voranschreitende Globalisierung und die zahlreichen Herausforderungen, die sich aus dem aktuellen Weltgeschehen ergeben – sei es der Klimawandel, die Etablierung der künstlichen Intelligenz oder die zahlreichen Konflikte –, ist es zweifellos unverzichtbar, sich der eigenen Wurzeln und Werte bewusst zu sein, um eine tragfähige Grundlage für eine fruchtbare Entfaltung der Persönlichkeit auszubilden. So kann es gelingen, nicht nur aus dem Vergangenen zu lernen, sondern auch durch bewusste Reflexion neue Perspektiven aufzutun. Denn nur wer seine Geschichte kennt, kann erkennen was die Gegenwart prägt und mit diesem Wissen aktiv die Zukunft gestalten.
Abgesehen vom reinen Nutzen ist die Geschichte natürlich auch generell eine spannende Sache, so dass es auch mit sehr viel Nervenkitzel und Spaß verbunden sein kann, wenn man sich mit den Lebensrealitäten anderer Epochen auseinandersetzt und man plötzlich feststellt, dass Vieles, was uns heute bewegt, schon in früheren Zeiten eine Rolle gespielt hat.
Wann lebten hier die Kelten, wann waren die Römer in der Oberpfalz, und wie haben sie unsere Kultur geprägt?
Durch die Erkenntnisse der Archäologie wissen wir, dass bereits zwischen ungefähr 800 und 600 vor Christi Geburt Menschen der sogenannten Hallstattkultur – das ist die frühe Phase der beiden archäologischen Kulturen, die mit den durch Schriftzeugnisse belegten Kelten in Verbindung gebracht werden – in der Oberpfalz siedelten. Aus der eigentlichen Keltenzeit, der sogenannten Latènezeit, die im 5. Jahrhundert vor Christus beginnt, sind sogar Funde bekannt, die auf Eisenproduktion hindeuten. Die Römer erweiterten vom heutigen Italien her über die Alpen vorstoßend ihren Machtbereich Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus sukzessive bis an die Donau und errichteten im ersten Jahrhundert nach Christus auch ein erstes Militärlager im heutigen Raum Regensburg. Im Jahre 179 nach Christus wurde schließlich das Legionslager, das die Keimzelle für die spätere Stadt Regensburg bildete, fertiggestellt. Kulturell haben Kelten und vor allem Römer vielfältige Spuren hinterlassen, sei es in unserer Sprache, in unserem Denken bis hin zu unserer Alltagskultur. Auf den Punkt gebracht, kann man sogar mit Recht behaupten, dass weite Teile der modernen Lebenswelt auf den Errungenschaften der antiken Mittelmeerzivilisationen basieren. Denn erst die Renaissance hat mit der Wiedergeburt der Antike den Weg in die Neuzeit geebnet.
Die Oberpfalz war lange Zeit ein Eisenzentrum von europaweiter Tragweite. Wie können wir uns dieses „Ruhrgebiet des Mittelalters“, wie es ja oft genannt wird, vorstellen? Wo waren Produktionsstätten, Rohstoffaufbaugebiete, Handelswege etc.?
Die Oberpfalz gehörte im Mittelalter zu den großen europäischen Eisenzentren und man kann nach heutigem Kenntnisstand davon ausgehen, dass im Spätmittelalter circa 16 Prozent des gesamteuropäischen Eisenbedarfs durch die ostbayerische Produktion gedeckt wurde. Die Grundlage für die Entstehung des Oberpfälzer Eisengewerbes bildeten vor allem die reichen Kreideerzlagerstätten entlang der Linie Amberg-Sulzbach-Rosenberg-Auerbach und die Dogger-Erze im Raum Pegnitz-Auerbach, die aufgrund unterschiedlicher geologischer Prozesse teilweise sehr oberflächennah auftraten und deshalb mit den damals zur Verfügung stehenden bergbaulichen Mitteln abgebaut werden konnten. Weitere Aspekte, die die Entwicklung der Eisenwirtschaft in der mittelalterlichen Oberpfalz beflügelten, waren die Verfügbarkeit von Holz, Wasserkraft und die Anbindung an überregionale Handelsnetzwerke. So war es bekanntermaßen möglich, die Vils als Wasserstraße in Richtung der mittelalterlichen Metropole Regensburg zu nutzen, wo das Eisen entladen und weiterverhandelt wurde.
Die Eisenerzeugung fand damals in sogenannten Hammerwerken statt, die in der Regel entlang der Flüsse angelegt wurden, um die Wasserkraft zum Betrieb der großen Blasebälge und Hämmer zu nutzen. Ein großer wirtschaftlicher Vorteil dieser Produktionseinheiten war es, dass die Eisengewinnung und Aufbereitung unter einem Dach erfolgen konnte. Vorstellen muss man sich die spätmittelalterliche Oberpfalz als Montanraum ersten Ranges, das heißt, man wäre an vielen Orten Köhlern, Schmelzern und Schmieden begegnet, wenn man als Zeitreisender die Region durchwandert hätte. Ferner hätte man weithin die im Takt stampfenden Hämmer gehört und zahlreiche Feuer und Rauchsäulen gesehen, so dass einem sicherlich der heute oft verwendete Begriff vom „Land der tausend Feuer“ in den Sinn gekommen wäre.
Wie sah der Alltag der Menschen damals aus?
Es liegt auf der Hand, dass der Alltag der Menschen im Mittelalter sich in vielerlei Hinsicht von unserer Lebenswelt heute unterschied. Man denke hier zum Beispiel allein an die technischen Errungenschaften der vergangenen zwei Jahrhunderte, die Industrialisierung oder die Fortschritte auf dem Gebiet der Medizin, die unsere moderne Lebenswelt prägen. Die Oberpfälzerin und der Oberpfälzer des Mittelalters hatten weder Internet, noch Strom, fließend Wasser oder Smartphone und waren deshalb voll und ganz auf ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten angewiesen, um zu überleben. Harte körperliche Arbeit stand für Frauen, Männer und auch für die größeren Kinder auf der Tagesordnung.
Viele Dinge des täglichen Gebrauchs und ein Großteil des Lebensmittelbedarfs wurden – abgesehen natürlich von der hauchdünnen sozialen Elite – von den Menschen selbst hergestellt. Eine medizinische Versorgung existierte für den Großteil der damaligen Bevölkerung nicht, so dass schon kleinere Infektionen zum Tod führen konnten. Wie man unschwer erkennen kann, war das Leben der mittelalterlichen Menschen alles andere als idyllisch oder wildromantisch, sondern geprägt von vielen Unannehmlichkeiten, Sorgen, Ängsten und Nöten.
Heute spricht man oft von Wertschöpfungsketten. Welche Werte haben die Generationen vor uns erarbeitet, von denen wir heute noch profitieren?
Um zu verdeutlichen, was uns unsere Vorfahren hinterlassen haben, möchte ich an dieser Stelle gar nicht so weit in die Vergangenheit zurückgehen, sondern auf unsere jüngere Oberpfälzer Montangeschichte verweisen. So haben Max- und Luitpoldhütte im 19. und 20. Jahrhundert einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung des modernen Bayern geleistet. Als konkrete Beispiele sei hierbei die Rolle der Maxhütte im Kontext des Ausbaus der ostbayerischen Schieneninfrastruktur und die Entwicklung innovativer Schmelzverfahren genannt, die ausgehend von der Oberpfalz weltweite Bedeutung erlangten. Vor diesem Hintergrund muss selbstverständlich auch die essentielle Rolle des Bergbaus innerhalb der Oberpfälzer Wirtschaftsgeschichte zur Sprache kommen.
Aber es sind nicht nur Werte im Sinne der Wirtschaftshistorie, die den Weg Ostbayerns in die Jetztzeit entscheidend mitgeprägt haben, sondern auch vor allem die Kultur und die Traditionen der Berg- und Hüttenleute. So kann die Auseinandersetzung mit unserer Montangeschichte auch heute noch die Entwicklung der jungen Generation entscheidend mitprägen.
Denn die Arbeit, die die Berg- und Hüttenleute Tag für Tag geleistet haben, ist für viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene kaum noch vorstellbar. In Zeiten von Youtubern, Influencern und Künstlicher Intelligenz verschwindet die fundamentale Rolle der schaffenden Hände oftmals völlig aus dem Blickfeld. Deshalb ist es umso wichtiger die nachfolgenden Generationen dafür zu sensibilisieren, dass die Basis der digitalisierten Informationsgesellschaft immer noch die Erzeugnisse des primären und sekundären Sektors bilden, denn ohne Hardware keine KI und ohne Bergbau keine Computer.
Hierbei steht die Geschichte unserer Oberpfälzer Berg- und Hüttenleute nicht nur dafür, was Menschen zu leisten im Stande sind, sondern auch, dass Arbeit für den Menschen mehr als nur Broterwerb bedeuten und vor allem auch identitätsstiftenden Charakter haben kann.
Montankultur ist mehr als Tracht, Musik und Barbarafeier, sie ist eine Lebenseinstellung, eine Mentalität und das ist die Essenz, die uns Oberpfälzer bis heute prägt. Bergbau und Eisen sind über Jahrhunderte Teil unserer DNA geworden, nicht umsonst versetzt die sprichwörtliche Sturheit der Oberpfälzer im wahrsten Sinne des Wortes noch heute Berge und formt den härtesten Stahl. Bei uns wird nicht viel geredet, bei uns wird gemacht. Der Zusammenhalt der Berg- und Hüttenleute spiegelt sich noch heute in der hohen Loyalität und Heimatverbundenheit der Oberpfälzer wider, die noch heute von vielen Firmen geschätzt werden.
Wie beschwerlich es früher war, das werden uns Köhler und Schmiede vorführen, die Holzkohle herstellten, um damit Eisen verarbeiten können. Was erwartet die Besucher außerdem?
Im Kontext der Historischen Zeitreise ist vieles geboten, nicht nur Festbetrieb, historisches Handwerkstreiben, Lagerleben und Musik, sondern auch über beide Tage verteilt interessante Programmbeiträge der einzelnen Darstellergruppen. Am Abend des 26. Juli 2025 wird ferner eine große Feuershow stattfinden. Abgerundet wird das perfekte Zeitreiseerlebnis durch eine Vielzahl historischer Marktstände, an denen die Händler ihre Waren feilbieten und man sich mit deftigen und süßen Speisen und erfrischenden Getränken versorgen kann.
Wer sind die Darsteller und was machen diese im echten Leben?
Die Darsteller sind Geschichtsfans, die sich mit viel Herzblut in Vereinen ehrenamtlich engagieren, um eine möglichst authentische Darstellung ihrer jeweiligen Epoche zu realisieren. Im echten Leben sind die Darsteller in unterschiedlichsten Berufsparten tätig: vom Informatiker, über Lehrerinnen und Lehrer, bis hin zu Wissenschaftlerinnen, Handwerkern unterschiedlichster Bereiche, Bankangestellten und Studierenden etc. ist alles dabei.
Daten
Historische Zeitreise – Von den Römern bis zum Dreißigjährigen Krieg
Samstag, 26. Juli, 11 bis 24 Uhr, und Sonntag, 27. Juli, 11 bis 17 Uhr
Eintritt: Erwachsene 5,- €│ Kinder 3,- €
Kultur-Schloss Theuern
Portnerstr. 1, 92245 Kümmersbruck
Telefon 09621/397930
E-Mail museum@kultur-schloss-theuern.de
Webseite www.kultur-schloss-theuern.de
Quelle: Kultur-Schloss Theuern